Eine unglaubliche Geschichte!

Von 0 auf Musiker in fünf Monaten.

Im Januar 2015 hat Dr. Timo Eifert auf einer Kreuzfahrt von Syndey nach Manila innerhalb von 24 Tagen 13 Songs komponiert. In den folgenden Monaten von Februar bis April wurde daraus das Studioalbum "TU'S JETZT". Im Mai 2015 war das Premierenkonzert. Sein erstes Konzert. Ein unglaubliche Geschichte. Im Konzertfilm kannst du diese Geschichte erleben und hören. 

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Der Konzertfilm

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Die Timo Eifert Story

(Ausschnitte aus dem Buch: "MACH DICH FREI - Es geht um Dein Leben")

 

1.2.2.4 Von einem Extrem ins andere Extrem?

Meine Suche nach dem Erfolg war schon etwas extrem. Deshalb verwundert es mich heute nicht, dass meine Suche nach der Erfüllung ebenso extrem ablief.

Als ich mir 2015 diese neuen Fragen stellte, was ich tun will und wie mein Alltag in der Zukunft aussehe, kamen auch neue Antworten.

Ich stellte mir einen Alltag vor, in dem ich hauptsächlich damit beschäftigt bin zu komponieren. Ich liebe diesen kreativen Prozess, in dem am Ende ein neuer Song steht. Ein Lied, das es vorher noch nicht gab und nun in der Welt ist. Ein Lied, das gute Gefühle macht. Ein Lied, das man gerne spielt und hört. 

Vor und während meines Studiums hatte ich schon einige Songs komponiert, aber immer nur für mich. Dabei ging es die meiste Zeit um persönliche Geschichten. Na ja, eigentlich ging es immer um die Liebe. Denn ich konnte immer nur dann komponieren, wenn ich auch emotional berührt war. Jetzt wollte ich Songs schreiben mit neuen Inhalten. Mit Inhalten, die eher aus dem Coachingbereich kommen, mit Inhalten meiner Vorträge. Ich wollte also meine Tätigkeit als Speaker mit der eines Musikers und Komponisten verknüpfen. Das war meine grobe Idee. Aber ähnlich wie ein paar Jahre zuvor hatte ich keine Idee, wie sich das realisieren lassen würde. Ich konnte ja nicht einfach zu einem Tonstudio laufen, mich dort vorstellen und sagen, lasst uns eine Platte aufnehmen. Ich hatte bis dato weder professionell Songs aufgenommen noch hatte ich eine musikalische oder gesangliche Ausbildung. So blieb mir also nichts übrig, als weiterhin von meinen Vorhaben zu träumen. Das wiederum ließ ich mir nicht nehmen.

Es gab eine Zeit im Spätsommer oder Herbst 2014, in der ich oft ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen unternahm. Dabei kamen mir immer wieder die gleichen Bilder in den Kopf. Ich sah mich sehr lebhaft auf der Bühne, meine Band im Rücken und vor mir ein Meer von Gesichtern. Menschen, die emotional tief berührt waren von meiner Musik und meinen Texten. Menschen, die sich gegenseitig in den Armen lagen und in dieser Gemeinschaft eine Liebe und Verbindung spürten, wie sie es bisher noch an keinem Ort und keinem Erlebnis in ihrem Leben verspürt haben. Menschen, die von so einem Konzerterlebnis über Monate zerren konnten, weil es sie mit einem großen Gefühl der Leichtigkeit infiziert hatte, dass alles, was ist, auf irgendeiner Ebene so auch in Ordnung geht, dass die Welt nicht schlecht ist, sondern einfach nur unsere Perspektive aktuell noch zu klein. Und wenn ich dann in diese Augen sehen würde, war ich selbst beim Spazierengehen so emotional, dass mir sehr oft die Tränen kamen vor Glück und Rührung.

Da ich nun schon sehr viele Dinge in meinem Leben gemacht und ausprobiert hatte, überkam mich irgendwie das Gefühl, dass es langsam an der Zeit wäre, mich auf einen Weg festzulegen. Bin ich nun Arzt, Gesundheitsexperte, Speaker, oder bin ich vielleicht sogar Musiker? Ich hatte Angst. Denn auf der einen Seite spürte ich den Drang, mich mehr und mehr um diesen Traum kümmern zu wollen, auf der anderen Seite kam es mir jedoch auch unrealistisch vor. Die Tatsache, dass Menschen auf ihrem Sterbebett vor allem das bereuen, was sie nicht gemacht haben, beschäftigte mich. So wuchs auch die Angst in mir, meinen Traum zu verraten und nicht den Mut zu finden, ihn zu leben. Gleichzeitig hatte ich Angst davor, alles, was ich mir bisher aufgebaut hatte, hinter mir zu lassen. Und ich hatte Angst vor den Meinungen der anderen, vor den Meinungen meiner Eltern und Schwiegereltern, die mit dem in ihren Augen gesellschaftlichen Abstieg vom Arzt zum Künstler sicherlich ihre Verständnisprobleme hätten. Komischerweise gab es in dieser Zeit keinen Gedanken in mir, der alles vereinigte. Ich dachte in Kategorien von entweder…oder…. Ich war der festen Überzeugung, dass nun bald eine Zeit käme, in der ich mich entscheiden müsse. Eine Zeit, die Mut erfordern würde. Einen Mut, der Grenzen überwindet und neue Möglichkeiten schaffen würde. Ich kann mich noch sehr gut an ein Telefongespräch mit einer Freundin erinnern, das ich in dieser aufgewirbelten Zeit führte. Ich erzählte ihr von meinen Träumen, meinen Ängsten und auch von der Unsicherheit, die mich auf dem neuen Weg erwarten würde. Dabei stellte sie mir eine wichtige Frage. Sie fragte mich, wovor ich eigentlich wirklich Angst hätte. Es verging eine kurze Zeit des Schweigens, aber es kam eine sehr klare Antwort. Ich sagte, ich hätte Angst, dass ich scheitern und damit mein Traum zerplatzen würde. Denn es ist ein schöner und angenehmer Zustand, an einen Traum in der fernen Zukunft zu denken. Das macht schöne Gefühle und löst eine gewisse Vorfreude aus. Völlig anders sieht es aus, wenn man versucht seinen Traum zu realisieren. Was macht man dann, wenn das Vorhaben scheitert und der Traum zerplatzt? Wie geht man damit um? Ein Leben ohne Traum? Das fände ich sehr schade. Es war also die Angst vor dem Versagen, die mich noch zögern ließ forciert meinen Traum anzugehen. Aber meine Freundin fragte noch weiter. Sie fragte, was passieren würde, wenn ich nicht probierte, meinen Traum zu realisieren? Diesmal kam meine Antwort sehr schnell. Dann, so antwortete ich, sei mein Traum sofort geplatzt. Das so unmittelbar zu realisieren, versetzte mir einen tiefen Stich ins Herz. Einen Traum zu haben und nicht versuchen ihn zu realisieren, ist wie ein Leben ohne Traum, ohne Wünsche und vielleicht ohne Sinn. Das machte mich ziemlich traurig. Mit diesem Schmerz war es für mich plötzlich völlig klar. Es gab ab diesem Zeitpunkt keine Alternative mehr, zu dem Versuch meinen Traum von der eigenen Musik irgendwie zu realisieren. Ich hatte also noch keinen konkreten Plan, aber ich hatte erstmals die feste Absicht und die absolute Überzeugung, dass ich nach Möglichkeiten suchen will.

1.2.2.4. Vom Gesundheitsexperten zum Songwriter (2015)

Plötzlich und völlig unerwartet kam im November 2014 ein Stein ins Rollen. Ich erhielt eine XING-Einladung zu einem Studiokonzert in Sonthofen, meiner Heimatstadt. Bis dato war mir nicht einmal bekannt, dass es in unserer Stadt ein Tonstudio gab. Als ich mir die Adresse ansah, war ich noch mehr überrascht, denn das Studio befand sich Luftlinie nur 100 Meter von meinem Büro entfernt. Ich sagte natürlich ohne Zögern zu, weil mich sowohl das Konzert, als auch das Studio, interessierte.  

Das Konzert war nur wenige Tage später. Und es war nicht nur ein Tonstudio, es war das größte Tonstudio im Allgäu. Ich war sofort total fasziniert, zumal ich vorher noch nie in einem Tonstudio war. Der Konzertabend war wunderbar, nur leider konnte ich an diesem Abend nicht mit Thomas Glässing, dem Besitzer des Tonstudios, sprechen, der mich ja auch per XING eingeladen hatte. Das Studio ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte so gerne Kontakt mit ihm aufnehmen, wusste aber ehrlich gesagt nicht, mit welchem Vorwand. Ich konnte ja schlecht sagen: »Hallo, ich bin Arzt, will in Zukunft Lieder komponieren und träume von einer Stadiontournee.«

Natürlich gibt es in meiner Vergangenheit eine lange Musikhistorie. Ich spiele zwei Instrumente, Schlagzeug und Gitarre. Beides habe ich mir autodidaktisch beigebracht. Lange Zeit spielte ich als Schlagzeuger in einer Tanzband in den Festzelten meiner Heimatregion im Vogelsberg in Hessen. Irgendwann habe ich auch angefangen zu singen. Das wurde dann immer mehr, und nachdem ich schon bald den Hauptteil unseres Programmes vom Schlagzeug aus gesungen hatte, beschlossen wir, in der Band einen neuen Schlagzeuger anzustellen, damit ich Frontman der Band werden konnte. Es folgte also dann noch eine Zeit, in der ich hauptsächlich sang und zusätzlich ein bisschen Gitarre spielte. Ich kann bis heute keine Noten, aber ich bin sehr musikalisch. So fing ich dann auch irgendwann an, eigene Lieder zu schreiben, aber wie bisher erwähnt, nur für mich und für die entsprechende Herzensdame dieser Zeit. Das hätte ich sicherlich alles Thomas Glässing erzählen können, aber ich fürchtete, dass er davon nicht sonderlich beeindruckt gewesen wäre.

1.2.2.5. Von Null auf Album in fünf Monaten

1.2.2.5.1. Dezember 2014: Wenn sich zwei Verrückte treffen

Drei Tage später löste sich jedoch das Problem von selbst. Thomas Glässing schrieb mich über XING erneut hat. Er hätte gerade meine Rednerseite besucht und fände meinen Internetauftritt sehr interessant. Er fragte, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, auf einen Kaffee in seinem Studio vorbeizukommen. Und ob ich das hatte. Bereits am nächsten Tag besuchte ich ihn – für drei Stunden.

Wir redeten zuerst über Gott und die Welt. Thomas erzählte dann einiges von seinem bisherigen Weg. Er hatte Schlagzeug und Klavier studiert und schloss später auch noch ein Studium zum Diplom-Tonmeister ab. Er war jahrelang für den Ton der ZDF-Hitparade zuständig als auch für den Musikantenstadel. Er komponierte für die Zillertaler Schürzenjager, war Schlagzeuger der Kastelruther Spatzen und war später als Tonmeister sogar mit Sting und Joe Cocker auf Welttournee. Hier hatte ich es also mit einem richtigen Profimusiker zu tun, was mich sehr beeindruckte. Gleichzeitig war Thomas mit seiner Musikkarriere an einem Punkt angekommen, der nach Veränderung schrie, denn das Musikbusiness hatte sich in den letzten zehn Jahren enorm verändert. Es war ein sehr offenes und persönliches Gespräch und irgendwie keimte in mir der Wunsch auf, diese Offenheit von Thomas zu erwidern. Ich nahm meinen Mut zusammen und erzählte Thomas in diesem ersten Gespräch von meinem Traum der Bühnenkarriere. Ich skizzierte ihm meine Ideen, Musik und Vortrag zu kombinieren, um daraus eine Art Coachingevent der Spitzenklasse zu entwickeln, ein Musikerlebnis mit Wirkung.

Thomas fand die Idee auf Anhieb Klasse und dachte schon in Kategorien von Bühnenaufbau, Bandgröße, Lichteffekten und Soundanlage. Er hatte wohl von Anfang an ein ähnliches Bild der Bühne und des Konzertsaales im Kopf wie ich. Das alles geschah an einem Freitag Anfang Dezember 2014. Das komplette folgende Wochenende war ich von diesem Gespräch und den entsprechenden Bildern gefangen. Es kam mir vor wie ein Traum. Woher kam gerade jetzt dieser Tonmeister in mein Leben und wieso begeisterte er sich genauso für meine Idee wie ich?

Thomas und ich verabredeten uns sofort wieder für den darauffolgenden Montag, um schon etwas tiefer und genauer zu planen. Dies klingt schon ziemlich verrückt, wenn ich das hier so schreibe, aber es war so. 

Thomas berichtete mir, dass er das gesamte Wochenende damit verbracht habe, im Internet ein ähnliches Konzept zu suchen, wo ein Arzt mit einem Vortragskonzert unterwegs ist, aber er fand nichts. Es gab Ärzte, die Musik machen, z.B. Haindling und es gibt auch Ärzte, die erfolgreich auf der Vortrags- oder Kabarettbühne sind wie Eckhart von Hirschhausen. Mein Konzept wäre neu. Thomas war wirklich begeistert von der Idee und trieb sie voran. Er sagte, dass wir als erstes eine CD produzieren müssten. Und in meinem jugendlichen Leichtsinn sagte ich: Okay. Wir redeten zu diesem Zeitpunkt weder über Geld, noch über meine musikalischen und gesanglichen Fähigkeiten. Irgendwie ging Thomas davon aus, dass ich das Thema Musik beherrsche und ich ging davon aus, dass er das Thema Produktion beherrscht.

1.2.2.5.2. Januar 2015: Die Kreuzfahrt meines Lebens

Wir trafen also Mitte Dezember 2014 per Handschlag eine Abmachung. Ich sollte bis Ende Januar 13 Songs liefern und Thomas würde bis Anfang Februar die Studiomusiker engagieren, um die Songs dann aufzunehmen. Ich war von einer tiefen Überzeugung beseelt, dass ich das kann und stellte auch keine weiteren Fragen. Viel zu schön war das, was mir gerade widerfuhr. Für den Januar hatte ich bereits ein Engagement als Gesundheitsexperte und Fitnesscoach auf der MS Europa von Hapag-Lloyd. Dazu musste ich Anfang Januar 2015 nach Sydney fliegen von wo die 24-tägige Kreuzfahrt von Sydney nach Manila startete. Zehn Tage dieser Reise waren für Hapag-Lloyd reserviert, die weiteren 14 Tage hatte ich zur freien Verfügung.  

Ich wollte diese Reise und auch die Stimmung an Bord, die für mich immer wieder ein traumhaftes Erlebnis ist, für diese Kompositionen nutzen. Klar war also, dass ich im Durchschnitt einen Song pro Tag komponieren musste. Außerhalb meiner Tätigkeiten an Bord, nahm ich also auf dieser Reise an keinerlei Ausflügen teil, sondern verbrachte meine gesamte freie Zeit in einem abgelegenen Strandkorb auf Deck 7. Ein Platz, wo kaum Gäste vorbeikamen. Bereits bei Ankunft an Bord lieh ich mir vom Tontechniker eine Gitarre aus, denn ich kann nur mit Gitarre komponieren. Auch das ist mehr oder weniger ein Wunder, denn normalerweise gibt es keine Leihgitarren an Bord. Diese blieb jedoch von einem anderen Tontechniker an Bord und stand nun mir zur Verfügung. Die Themen waren klar, über die ich schreiben und singen wollte. Es waren die Themen, die mich in den vergangenen Monaten und Jahren beschäftigt haben und auch mir geholfen hatten, einen neuen Weg einzuschlagen. So begannen diese freien Tage immer nach dem gleichen Schema. Morgens setzte ich mich in bester Stimmung und Erwartung in meinen Strandkorb. Ausgestattet mit einem leckeren Cappuccino und dem freien Blick aufs Meer, schlug ich mein Notizbuch auf und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Beim Komponieren denke ich schon meist in Reimform und dann führt ein Satz zum Anderen. Wenn dann was kommt, kommt es schnell. So bin ich beim Komponieren eigentlich die meiste Zeit mit Warten beschäftigt. Es ist also nicht so, dass ich lange an den Songs herumfeile. Es ist vielmehr ein geduldiges Warten auf den richtigen Moment. Und dieser kam Tag für Tag. Morgens schrieb ich den Text, mittags komponierte ich die Melodie. Diese liegt meist schon im Text, so empfinde ich es zumindest. Manche Texte kann man eben nur auf eine gewisse Art singen. Und in der Melodie liegen dann auch die Harmonien, die ich dann auf der Gitarre spiele. Das ist fast wie Magie. Nein, es ist Magie. Abends habe ich das Gesamtwerk dann einfach auf mein iPhone gesungen, um es festzuhalten und nicht zu vergessen. Gleichzeitig stand ich ja vor der Herausforderung, bis zum nächsten Tag den Song wieder komplett aus meinem Kopf zu bekommen, um wieder frei für das nächste Lied zu sein. So ging das Tag für Tag, abgesehen von den Tagen, an denen ich an Bord meiner Tätigkeit als Gesundheitsexperte nachkam. Aus heutiger Sicht ist es fast schwer, das, was passiert ist, realistisch nachvollziehen zu können, aber ich weiß einfach genau, mit welchem Gefühl das alles möglich war. Denn erstens gab es in mir zu diesem Zeitpunkt keinerlei Zweifel, dass die Kompositionen nicht gelingen könnten und zweitens war ich absolut beseelt und begeistert von der Idee, nun bald ein eigenes Album aufzunehmen zu können. 

 

1.2.2.5.3. Februar 2015: Die Geburt meines Babys

Am 28. Januar 2015 kam ich wieder in Deutschland an, mit zwölf neuen Songs im Gepäck. Meinen Teil der Abmachung hatte ich also eingehalten und ich war gespannt, was Thomas in den vergangenen Wochen auf die Beine gestellt hatte. Aber auch er hatte sein Wort gehalten. 

Für die erste Februarwoche waren 6 Studiotage terminiert, um die ersten 6 Songs zu arrangieren. Als Vorbereitung für die Session hatte ich alle meine Songs für die Handouts der Musiker niedergeschrieben und um die entsprechenden Harmonien ergänzt.

Am Tag als ich die Profimusiker kennengelernt habe, war ich ziemlich aufgeregt. Ich stellte mich vor und erzählte ihnen von meinem Vorhaben. Ich erzählte ihnen genau, welche Art von Musik ich mir vorstellte, welche Sounds und vor allem welche Gefühle ich vermitteln wollte. Und von Anfang entstand unter uns allen ein Teamgedanke, der wiederum dazu beigetragen hat, dass der Zauber der Magie auch in dieser ersten Aufnahmewoche wirken konnte. Denn auch dieses Vorgehen, an sechs Tagen sechs Songs zu arrangieren in einem bunt zusammengewürfelten Team von Menschen, die sich bis dato noch nicht kannten, ist mehr als außergewöhnlich. Allerdings hatte Thomas sicherlich schon bei der Zusammenstellung der Musiker ein gutes Händchen und traf auch eine gute Vorauswahl von Musikern, die zu diesem Projekt gut passten.

Die Entstehung von so einem Album kann man sehr gut mit der Geburt eines Kindes vergleichen. Im Spätsommer und Herbst 2014 war ich schwanger mit diesem Musikprojekt. Die Geburt war dann schließlich Dezember 2014, hier kam es definitiv auf die Welt. Im Januar auf meiner Kreuzfahrt vollzog es einen enormen Wachstumsschub. Aus dem kleinen Baby wurde in 24 Tagen ein ausgewachsener, pubertierender Junge. Ich kam mit noch unreifen Songs zurück, die man so am Lagerfeuer spielten könnte, aber die große Reifung der Songs stand noch bevor. Das Arrangement der Lieder bringt schließlich den ausgewachsenen Charakter eines Songs. Man überlegt sich den Rhythmus, das Tempo, die Instrumentierung und die emotionale Richtung des Liedes. Ganz real saß ich also mit meiner Gitarre in der ersten Aufnahmewoche zwischen diesen großartigen Musikern und spielte einen meiner Songs, so wie am Lagerfeuer. Und dann startete ein magischer Prozess. Der Schlagzeuger spielte einen Rhythmus dazu, der für ihn passend erschien. Daraufhin setzte der Bassist mit seinen Noten ein. Und genau so ging es dem Keyboarder und dem Gitarristen. Und schon bekam der jugendliche Song seinen Charakter. Er wurde erwachsen. So haben wir dann einen ganzen Tag an einem Song gefeilt, bis er die Stimmung hatte, die ich mir vorgestellt habe. So einen Kreativtag haben wir dann abends mit der Aufnahme des Songs beendet. Studioreif aufgenommen haben wir allerdings nur Bass und Schlagzeug. Die anderen Instrumentenspuren blieben noch unrein und dienten als Orientierung. Diese wurden dann später von den jeweiligen Instrumentalisten in ihren eigenen Studios in hoher Qualität aufgenommen. Die Grundlage war jedoch immer unser Arrangement der ersten Tage.

Nach einer Woche Pause hatten wir in der dritten Februarwoche 2015 noch einmal eine ähnliche Aufnahmesession von weiteren 7 Songs. Es war einfach unglaublich, in 13 Tagen hatten wir 13 Songs arrangiert und als Grundgerüst aufgenommen. 

 

1.2.2.5.4. März 2015: Mein Kind wird groß

Für den März 2015 waren die Gesangsaufnahmen geplant. Thomas empfahl mir dringend, ein Gesangscoaching zu nehmen, vor allem zur Vorbereitung der Studioaufnahmen, die eine ganz andere Herausforderung darstellen als auf einem Konzert zu singen. Nun blieben jedoch bis zum Studiotermin Mitte März nur drei Wochen Zeit. So suchten wir also nicht einen Gesangscoach, sondern den Gesangscoach. Das wusste ich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn Thomas gab mir einfach eine Nummer, die ich anrufen sollte, was ich auch getan habe. 

Ich war mit dem Sekretariat von Robin D. verbunden. Ich erzählte mein Anliegen und merkte bereits, dass es für mein außergewöhnliches Projekt ein gewisses Interesse gab. Die Frau am anderen Ende des Telefons sagte zwar, dass Robin terminlich stark eingebunden sei, würde ihm aber von meiner Anfrage berichten und sich baldmöglichst wieder bei mir melden.

Erst jetzt googelte ich den Namen Robin D. Und stellte fest, mit wem ich es hier zu tun hatte. Robin war der Gesangscoach von zahlreichen nationalen und internationalen Künstlern, die jedes Jahr Nummer 1-Hits in den Charts platzieren. Außerdem ist er durch viele Castingshows bekannt, wo er hinter der Bühne die jungen Künstler coacht und für die Fernsehauftritte vorbereitet. Die Liste seiner Referenzen ist lang (www.robin-d.com oder www.voiceation.com), dagegen kam ich mir ziemlich klein vor. Aber aufgrund der Zeitnot brauchte ich jedoch den besten Trainer, den es gab.

Warum wir in Zeitnot waren, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Ich kann nur eines sagen, wenn in mir ein Feuer brennt, dann arbeite ich in Höchstgeschwindigkeit, ich brauche das, außerdem geht es gar nicht anders. Ich lebe diese Projekte dann mit Haut und Haar. Es kann also sein, dass sich monatelang nichts tut, aber wenn dann die Energie da ist, darf es bei mir schnell gehen, sehr schnell. So hatte ich mir einfach in den Kopf gesetzt, dass mein Album im April 2015 fertig sein sollte.

Bereits einen Tag nach meinem Anruf bei Robin D. meldete sich die Dame vom Sekretariat wieder bei mir und sagte, dass Robin meine Idee grundsätzlich ganz spannend fände und er einen Skype-Termin vorschlage, um sich von meiner stimmlichen Qualität zu überzeugen.

So skypte ich also wenige Tage später mit Robin D. Wir waren uns von Anfang an sympathisch. Er sagte, dass mein Vorhaben für einen Anfänger zwar sehr ambitioniert sei, aber meine stimmliche Qualität dafür ausreiche, dass er es schaffen könne, meine stimmlichen Fähigkeiten in kurzer Zeit auf ein Niveau zu bringen, mit der man eine Studioaufnahme wagen könne.

Anfang März 2015 hatte ich dann mein erstes Coaching direkt und live mit Robin D. in seinem Studio in Freilassing. Hier machte er mich vor allem mit zahlreichen Techniken vertraut, die ich täglich üben sollte, um für die Aufnahmen in 14 Tagen eine solide Basis vor allem für die Haltung und Atmung zu haben. Um der Belastung einer mehrtägigen Studioaufnahme Stand zu halten, käme es vor allem auf die saubere Gesangstechnik, sprich eine saubere Einstellung der Körperhaltung und Atmung an. Ich absolvierte in wenigen Tagen drei Coachingtermine mit Robin und buchte ihn dann für das 14-tägige Gesangscoaching meiner Aufnahmen im Studio. Hier stand Robin dann für 14 Tage täglich an meiner Seite um meine Gesangsaufnahmen zu betreuen. Pro Aufnahmetag sangen wir nur einen Song ein. Und es war das Härteste, was ich bisher körperlich und vor allem mental getan habe. Auf den heutigen Aufnahmen klingt alles sehr leicht, aber im Studio kämpfte ich im März 2015 um jeden Satz, manchmal um jedes Wort. Es zählte jeder Atemzug, die Intonation, das Timing, die Aussprache, der emotionale Ausdruck. Manchmal passte die Intonation, aber das Timing nicht. Ein anderes Mal stimmte die Sprache, aber der emotionale Ausdruck nicht. Es war manchmal zum Durchdrehen und Robin führte mich auch durch seine sehr engagierte Art an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit. Ich stand kurz davor, manchmal alles hinzuschmeißen. Aber es hat sich gelohnt. Ohne Robin an meiner Seite hätte ich niemals ein Gesangsprojekt in dieser Größe gemeistert, zumindest nicht mit meiner bisherigen Erfahrung im Studio, oder soll ich eher sagen, ohne bisherige Erfahrung im Studio. Vielen Dank, Robin.

Robin hat mir außerdem noch eine wundervolle Sängerin empfohlen, die Ende März alle Background-Chöre eingesungen hat, was der CD auch noch einmal einen riesigen Qualitätsschub gab. Vielen Dank, Reena.

All das verschlang Unsummen von Geld, aber das ganze Projekt hatte so viel Energie, dass ich es einfach tun musste. Manche Menschen erfüllen sich ihren Traum mit dem Kauf eines Autos oder eines Hauses, bei mir war es ein Album mit meiner Musik. Außerdem wollte ich einfach nicht zu den Menschen gehören, die immer nur auf ihre Träume warten und darüber reden, bis es vielleicht zu spät ist. Das ist sicherlich eine der Konsequenzen, die auch stark mit meiner Tätigkeit als Notarzt zusammenhängt. Wir wissen einfach nicht, ob es ein Morgen gibt. Träume muss man leben, wenn sie anklopfen und hier klopfte gerade mein Traum an. So war es keine Frage, dass ich dieses Projekt irgendwie zum Abschluss bringen wollte, egal was es kosten würde. Ich hatte eine sehr klare Idee von meinem Album und eine sehr klare Idee von meinem ersten Bühnenkonzert mit diesem Programm. Beides wollte ich unbedingt realisieren, um einfach zu sehen und zu fühlen, ob ich das kann, und ob es so wird, wie ich es mir in meinem Kopf ausgemalt hatte. 

Manchmal erscheinen Projekte so unglaublich dumm und naiv – zumindest könnte der Eindruck entstehen, dass dieses Projekt in diese Kategorie gehört. Denn wenn ich heute durchlese, was damals geschehen ist, klingt das schon alles sehr seltsam und unglaubwürdig. Damals war es die reine Realität und von so einer starken Begeisterung getragen, dass alles einfach funktionierte. Ich bin mir sicher, dass eine Leidenschaft, die hoch genug ist, immer einen Weg findet, sich zu realisieren. Es ist einfach nur eine Frage der Energie. Ist genug Energie da und auch die Bereitschaft den Weg zu gehen, wird er entstehen. Davon bin ich fest überzeugt.

Während ich also im März 2015 mit den Gesangsaufnahmen beschäftigt war, spielten im Hintergrund der Keyboarder und der Gitarrist die jeweiligen Instrumentenspuren in ihren eigenen Studios in bester Qualität ein und schickten sie zu uns ins Tonstudio nach Sonthofen. So hatten wir schließlich Ende März alle Aufnahmen im Kasten.

1.2.2.5.5. April 2015: Mein Kind will in die Welt

Im April 2015 erfolgten dann der Tonmix und das Mastering. Dabei werden alle Tonspuren im richtigen Lautstärkeverhältnis und mit der entsprechenden Soundanpassung zusammengemischt (Mix) und letztendlich noch für verschiedene Abspielgeräte optimiert (Mastering). Hierbei verbrachte ich Stunde um Stunde mit dem Toningenieur und Thomas als Tonmeister im Studio. Hier war meine Meinung gefragt, schließlich ging es ja um mein Album. Jede Soundanpassung brauchte mein Urteil. Es war wiederum eine anstrengende Zeit, aber auch eine sehr schöne. Denn hier im Studio wurde das Kind wirklich reif und erwachsen. Es bekam eine eigene Stimme und den letzten Schliff im Charakter, bevor es als eigenständiger Mensch in die Welt hinausging. 

Mitte Mai, etwas später als geplant, war das Album schließlich fertig und ging in die Presse. Pünktlich zum Premierenkonzert am 31.05.2015 in Sonthofen lag das Album vor mir. Ein Wahnsinnsgefühl. Fünf Monate lang war ich von diesem Projekt absorbiert. Nun war meine Musik in der Welt und ich wartete gespannt auf meinen ersten Auftritt.

1.2.2.6. Mein erstes Konzert

Auch hierzu hatten wir keine Kosten und Mühen gescheut. Eine Woche lang hatten wir eine Halle in Sonthofen in Beschlag genommen und dort eine Bühne aufgebaut, die es so in Sonthofen noch nicht gab. Insgesamt waren in dieser Woche 14 Menschen (2 Tontechniker, 2 Bühnentechniker, 4 Kameraleute und 6 Musiker) engagiert, um das Premierenkonzert zum einem absoluten Erlebnis zu machen. Mit der Band haben wir die gesamte Woche geprobt, während die Techniker die Bühne inklusive Licht und Tonanlage aufgebaut und eingestellt haben.

Am 31. Mai 2015 war es dann soweit. Ich spielte mein erstes Konzert als Solokünstler, also in jeder Hinsicht eine absolute Premiere. Neu waren die Größe der Bühne, der Umfang der Licht- und Soundanlage, das Zusammenspiel mit Profimusikern und ein ganzer Konzertabend nur mit meinen eigenen Liedern. Neben meiner Hochzeit, der Geburt meiner Kinder, dem Abschluss meines Medizinstudium und zahlreicher Reiseabenteuern war das sicherlich eines der herausragendsten Erlebnisse meines bisherigen Lebens. Das war ich pur. Im Konzert gab ich zum ersten Mal vor einer großen Menschenmenge meine Art des Denkens preis, meine Gefühle und meine grundsätzliche Lebenseinstellung. Obwohl ich angezogen war, fühlte ich mich ganz schön nackt, aber ehrlich. Es war eine Art Vortragskonzert, denn zu jedem Song erzählte ich die Entstehungsgeschichte. Die Musik unterstrich dann in ihrer emotionalen Art das, was ich vorher in Worte ausgedrückt hatte. Es machte irrsinnig viel Spaß und gab mir die Sicherheit, dass die Musik in Zukunft ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben sein würde. Und genau dafür hatte es sich schon gelohnt. Und es war der erste Schritt in die Verwirklichung meines MTV-unplugged-Traumes. Ein Megaschritt, denn bis dato dachte ich, dass ich weiterhin Vorträge halte und Stück für Stück Lieder in das Programm einbauen würde, so dass man den Vortrag nach einigen Jahren nicht mehr als Vortrag bezeichnen würde, sondern als Konzert. Was jedoch in den ersten fünf Monaten des Jahres 2015 geschah, sprengte alle bisherigen Vorstellungen, was möglich ist. Denn erneut habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht, wie in den vergangenen Jahren. Wenn ich in wenigen Monaten solche Schritte gehen kann, dann wird in Zukunft sehr viel möglich sein.